Winzer Krems

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Weinbau in Krems

Weinbau in Krems

Die ersten Qualitätsreben gab es hier im 3. Jhd.n.Chr., unter dem Legat des römischen Kaisers Probus (276 bis 282). In der "Vita Sankt Severini", der Lebensgeschichte des Heiligen Severins, der im 5. Jahrhundert in Krems und Mautern lebte, ist erwähnt, dass sich der Heilige "ad vineas" (in die Weinberge) zurückgezogen habe.

Im 11. Jhd. wird zum ersten Mal die Riede (Lage) "Kremser Sandgrube" erwähnt, die bis heute bekannteste Herkunft für Grünen Veltliner.

Nach der Völkerwanderung nahm der Weinbau mit der Kultivierung durch fränkische und bayrische Mönche wieder großen Aufschwung. Über 40 Klöster aus Mittel- und Westeuropa verfügen seither in Krems und Umgebung über wertvollen Besitz an Weingärten.

Zu einer Zeit, in der die Bauernschaft in Europa unter Leibeigenschaft litt, wurden die Kremser Weinhauer dem Bürgerstand gleichgestellt. Die im Jahre 1447 in Krems gegründete Hauerinnung, die älteste Weinhauerszunft im deutschen Sprachraum, genoss großes Ansehen. Die Hochblüte des Weinbaus, gesellschaftliche, kirchliche und weltliche Zusammenkünfte aller Stände führten zu einem intensiven und hochkultivierten, städtischen Gemeinschaftsleben.

Bereits 1305 n. Chr. erhielt Krems das Stadtrecht mit der Begründung, dass die Ehre der Stadt in den Weingärten liegt.

Die Hauerinnung Krems und Stein mit dem "Hauervater" an der Spitze hält in jahrhundertealter Überlieferung ihr Brauchtum und ihre berufliche Verbundenheit mit dem Weinbau hoch in Ehren. Jeder junge Hauer bezeugt bei der festlichen Aufnahme: "Ich gelobe, ein braver Hauer zu sein." Er weiß, dass nur in liebevoller und harter Arbeit im Keller und Weingarten das Gedeihen eines edlen Weines gewährleistet ist.

1938 gründeten Kremser Winzer der Hauerinnung Krems und Stein die WINZER KREMS. Der "Hauervater" der Hauerinnung, Eduard Felsner, war bis Mai 2005 gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der WINZER KREMS. Heute bestimmt der neue Obmann, ÖkR Franz Bauer, gemeinsam mit 15 Vorstandsmitgliedern die Geschicke des größten Weinproduzenten Österreichs. Mit der alten Hauertradition wird der Wein als wertvolles Kulturgut gepflegt, um den Freunden des Weines Jahrgang für Jahrgang die reine Freude zu bereiten.

Anfang September 2018 wurde die WINZER KREMS eG durch den Roman "Der Wein des Vergessens" von Bernhard Herrman und Robert Streibel (Residenz Verlag) mit bisher nicht aufgearbeiteten Aspekten ihrer Geschichte in der NS-Zeit konfrontiert. Diese betreffen einzelne Liegenschaften, die vor der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich im Besitz der jüdischen Familie Robitschek standen und in der Folge arisiert wurden. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der WINZER KREMS eG beschlossen, sich nun proaktiv mit den aufgeworfenen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Dazu wurde die renommierte Historikerin und ehemalige Leiterin des Dokumentationsarchives Österreichischer Widerstand (DÖW), Dr. Brigitte Bailer-Galanda, als kritische Beraterin gewonnen.

Lange Zeit waren wir uns der historischen und moralischen Problematik nicht bewusst und werden uns nun den kritischen Fragen dieser Zeit aufrichtig stellen. Wir bedauern, dass wir nicht bereits früher angemessen reagiert haben. Wir machen es nun zu unserer Aufgabe, diese Zusammenhänge wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die Arbeiten dazu sollen unter der Leitung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes umgehend aufgenommen werden und bis Mitte 2019 abgeschlossen sein.